– ein Vortrag –
von Dr. Armin König
1. Szene: Frank P. Meyer schreibt
Neuester Coup: Zweieinhalb Kilometer (2025)
Frank P. Meyer 2025 bei einer Lesung bei Bücher König in Neunkirchen. Foto: Armin König
Ich möchte einen Roman aus der saarländischen Weltmetropole Primstal empfehlen. Ihr ahnt schon: Das ist das Genre Dorfroman.
Getreu dem Motto: Global Village, auch wenn Dürrenmatt gesagt hat: Ein Dorf ist nicht die Welt. Aber die Welt spielt sich dann doch im Dorf ab, auf
ZWEIEINHALB KILOMETERN.
Und so heißt auch der Roman von Frank P. Meyer
ZWEIEINHALB KILOMETER
Protagonisten sind Typen aus den 1960er Jahren mit Biografien aus den 70er, 80er und 90ern.
Boomer eben.
Aus 70er-Jahre-Rebellen mit Che-Guevara-T-Shirt sind brave Oberamtsräte und Handwerker geworden.
Sie tragen Namen wie
Norbert Waschbüsch (genannt: Der Anarchist)
Jakob Zenner (auch: Literflaschen-Jääp)
Barbara Heck (Die Heilige Barbara), nicht zu verwechseln mit der Rückbanks-Elfi, die diesmal nicht vorkommt
Barbara Neises (Die unheilige Bärbel)
Altmeier Max
Bernd und Wolfgang (Ringo und Wolfi)
Und Che. Che Guevara. Der Rebell.
Und Che ist der eigentliche Protagonist.
Ein T-1. Ein VW- Bus. DER BULLI. Das Original.
Es geht um eine Wüstenreise nach Marokko, die dann doch nicht stattgefunden hat, nicht einmal in den Schwarzwald oder in die Südpfalz. Und doch haben wir es mit einem Road-Movie der ganz besonderen Sorte zu tun.
ZWEIEINHALB KILOMETER
ist also eigentlich der erste VW-Bulli-T-1-Roman der saarländischen Weltliteratur.
Vielleicht sogar der europäischen Weltliteratur. Wer weiß das schon so genau?!
Deshalb will ich diesen schrägen Dorfroman empfehlen, nicht weil Frank Meyer mein Freund ist. Sondern:
Weil die Provinz doch auch ein Stück der Welt widerspiegelt.
»Eigentlich hatte der Bulli schon einen Namen. Jahrzehntelang nannte ihn jeder den Terroristenbus. Sein erster Besitzer, der erste jedenfalls, den wir hier im Dorf persönlich kannten, war ›der Anarchist‹ gewesen.« Schreibt Frank.
Im neuesten Schelmenstreich des Grimmelshausenpreisträgers Frank P. Meyer dreht sich alles um einen VW-Bulli, Baujahr 1963, den Bernd und Wolfgang bei der Entrümpelung von Oma Wallis Geräteschuppen zu Tage fördern.
Schnell stellt sich heraus, dass es sich um den legenden-umwobenen »Terroristenbus« handelt, ein Gefährt, das oft die Besitzer wechselte und um das sich viele Geschichten und Gerüchte ranken. Vor allem Wolfgang ist sofort angetan von der »potenziellen« Schönheit ihres Fundstückesund so wechselt das Fahrzeug den Besitzer. Bei der alsbald in Angriff genommenen Restaurierung machen Bernd und Wolfgang eine Entdeckung …Es entspinnt sich eine fulminante Geschichte im Stil einer »Kurzdistanz«-Road-Novel: der ultimative Dorfroman und ein Frank-Meyer-Primstal-Special für alle Fans von »Normal passiert da nichts«, »Hammelzauber« und »Vom Ende der Bundeskegelbahn«. Das Gasthaus Zeggels kommt natürlich auch drin vor.
Es geht über viele Seiten seinen Gang. Wir erfahren wunderbare Notizen aus der beschaulichen Provinz, bis plötzlich einer ein geheimes Versteck unter der Blümchen-Dach-Tapete des VW-Bussis entdeckt. Und wir fragen uns: Ist es Hasch? Sind es Geldbündel? Möglicherweise aus einem Banküberfall der Baader-Meinhof-Bande? Und wie kommt der Terroristenbus aus der Verbrecherwelt ins beschauliche Primstal? Warum hält der Frank bei Lesungen immer das Baadeer-Meinhof-Terroristen-Plakat in die Zuhörerschaft? Das wir alle aus unserer Jugend von Amtsfluren, Postämtern, die es damals noch gab, und Rostwurstbuden kennen? Und was hat das alles mit einer verschwiegenen Vaterschaft zu tun? Wer ist da mit wem verwandt und verbandelt? Und welche Frau trug den ersten Doppelnamen, der sehr an eine Politikerin erinnert, die später Präsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken war. ZdK. Wer erinnert sich noch? Nur die Boomer…
In diesem Roman werden 28 Songs der britischen Rockband The Who entweder mit ihrem Titel genannt oder es wird daraus zitiert, mal im Original, mal in deutscher Übersetzung. Ich sage jetzt nicht, ob sie für die entsprechenden Szenen und Kapitel überhaupt notwendig sind, oder lediglich einer fragwürdigen Marotte des Autors entspringen. Des Weiteren werden Jane Austen und George Bernard Shaw zitiert.*
Frank Meyer ist eben auch Anglist, und deshalb spielt England ganz am Schluss auch noch eine Rolle, als der Bulli dann doch noch zu einer großen Fahrt aufbricht. Happy End in Engelland also.
Meyers neuestes Werk ist eine charmante Mini-Dorf-Road-Novel über die Kurzdistanz von zweieinhalb Kilometern.
In der Saarbrücker Zeitung hieß es:
„Frank P. Meyer gelingt eine Hommage an die Langsamkeit, die Erinnerung und das Dorf als Weltarchiv.“
Ulli Wagner vom SR urteilte begeistert:
„Ein Roadmovie auf Kurzdistanz, mit viel Herz, Humor und Hintersinn – Meyer at his best.“
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